Liebe Freunde!
Am 30. Mai hat es Bolivien bis in die Tagesschau geschafft. Vielen Dank an alle, die
dadurch an uns gedacht haben! Wir fanden den Beitrag allerdings sehr oberflächlich und dem komplexen Hintergrund der aktuellen
Ereignisse nicht gerecht werdend. Der derzeitige Konflikt lässt sich aus unserer Sicht nicht ohne seine Vorgeschichte verstehen.
Über viele Jahre war der politische Diskurs unter Ex- Präsident Evo Morales und später Luis Arce von einer starken Spaltung zwischen
Hochland und Tiefland geprägt. Menschen aus Santa Cruz und anderen Regionen des Tieflandes wurden häufig als „Kapitalisten“ oder
„Oligarchen“ dargestellt. Gleichzeitig entstanden tiefe gesellschaftliche Gräben, die bis heute nachwirken. Die Menschen im Hochland
sind in Gewerkschaften („Sindicatos“) oder Nachbarschaftskomitees organisiert. Dort herrschen oft starke Hierarchien. Von unserer
Patentochter in El Alto wissen wir aus erster Hand, dass Bürger verpflichtet wurden, Straßenblockaden zu errichten und zu verteidigen.
Wer sich verweigert, muss mit Geldstrafen, Ächtung oder schlimmeres (bis zur Androhung das Haus verbrannt zu bekommen) rechnen.
Nach Berichten aus verschiedenen Regionen werden Personen, die für die Organisation und Durchführung von Straßenblockaden
verantwortlich sind, finanziell entschädigt. So wird dieser Konflikt von politischen Interessenten beeinflusst und gelenkt,
deren rechtmäßiger Einfluss durch die neue Regierung verloren ging. Eine zentrale Rolle spielt dabei Evo Morales, der sich trotz
eines gegen ihn bestehenden Haftbefehls (wegen bestens belegtem Missbrauch Minderjähriger) weiterhin im Chapare (Andentäler) aufhält.
Die Blockaden haben eine unvorstellbare Dimension: das Ausmaß an Zerstörung der Infrastruktur zum einen, und zum anderen die Gewaltbereitschaft der Beteiligten - es bleibt unfassbar. (Bilder aus dem Internet)
Diese Region ist vor allem für den Anbau von Kokablättern bekannt und gilt seit vielen Jahren als seine politische Hochburg.
Von dort aus nimmt er regelmäßig über soziale Netzwerke öffentlich Stellung und Einfluss auf das politische Geschehen.
Die Folgen für das Land sind gravierend: Die mittlerweile 30 Tage (Stand 31-5-26) andauernden Blockaden haben einen
Milliardenschaden verursacht. Über 70 Straßensperren beeinträchtigen das öffentliche Leben. La Paz wurde eingekesselt,
Krankenhäuser kämpfen mit Versorgungsengpässen, die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen, es herrscht Treibstoffmangel,
und mehrere Menschen kamen bereits ums Leben. Die zentrale Forderung dieser Protestgruppen ist der Rücktritt von Präsident
Rodrigo Paz, der erst vor sechs Monaten durch demokratische Wahlen ins Amt gekommen ist. Seit seinem Amtsantritt verfolgt er
einen deutlichen Kurswechsel in der Außen- und Wirtschaftspolitik. Nach Jahren der internationalen Isolation sucht seine
Regierung wieder verstärkt die Zusammenarbeit mit westlichen Staaten und internationalen Finanzinstitutionen. Innenpolitisch
übernahm Paz eine Wirtschaft in schwerer Krise: Devisenmangel, alle Staatsbetriebe defizitär, ein aufgeblähter Verwaltungsapparat,
Treibstoffknappheit, Korruption in ungeahntem Ausmaß und hohe Inflation.
Zu seinen umstrittensten Maßnahmen gehörte die Abschaffung
langjähriger Treibstoffsubventionen. Gleichzeitig wurden Staatsausgaben gekürzt, Gehälter der Regierung reduziert und Reformen für
mehr Transparenz, Investitionen und regionale Eigenverantwortung angekündigt. Ob man alle Entscheidungen der neuen Regierung
unterstützt oder nicht – Präsident Paz hat wiederholt zum Dialog aufgerufen und versucht, Konflikte durch Verhandlungen zu lösen.
Auch in den vergangenen Tagen konnten einige Blockaden auf diesem Weg beendet werden. Dennoch bleiben zahlreiche gewaltbereite
Gruppen aktiv, die weiterhin seinen Rücktritt fordern. Die Motive hinter den aktuellen Ereignissen scheinen zunehmend deutlich
zu werden. Evo Morales kämpft weiterhin um politischen Einfluss und eine Rückkehr an die Macht. Gestern wurde in Cochabamba an
einer Fußgängerbrücke ein Transparent mit der Aufschrift entdeckt: „EVO: entweder die DEA oder wir. Löse dein Versprechen ein!
PCC“ Die Botschaft wird als Drohung eines brasilianischen Drogenkartells interpretiert. ”Entweder wir holen Dich oder die DEA!“
So handelt es sich hier nicht um den Protest eines sozial benachteiligten Volkes, sondern um einen Machtkampf verschiedener politischer,
wirtschaftlicher und illegaler Interessen. Wir in Santa Cruz sind besorgt. Nicht nur wegen der aktuellen Versorgungsengpässe, sondern
auch, weil ein Land, das dauerhaft gespalten und politisch instrumentalisiert wird, nur schwer eine hoffnungsvolle Zukunft gestalten
kann. Bitte betet für Bolivien – für Frieden, Weisheit der Verantwortlichen und Lösungen, die Brücken bauen, statt neue Gräben
aufzureißen.
Die Situation ist für den Präsidenten Rodrigo Paz extrem Schwierig, wo gibt es einen Ausweg?
Projekt „Für eine bessere Zukunft“
„Schwester Dorothea, meine Schwester ist gestorben. Nun muss ich neben meinen eigenen fünf Kindern auch noch ihre vier Kinder versorgen. Kannst du mir bitte helfen?“ Als ich nachfragte, was geschehen sei, hörte ich eine Geschichte, die kaum zu glauben ist. Die 33-jährige Mutter war mit ihrem fünften Kind schwanger. Weil ihre letzte Geburt zu Hause problemlos verlaufen war, verzichtete sie auf die üblichen Schwangerschaftskontrollen und vertraute darauf, dass auch diesmal alles gut gehen würde. Am 22. April setzten die Wehen ein. Es war Wahlsonntag, an dem wegen der Bürgermeister- und Regionalwahlen ein Fahrverbot galt. Eine Hebamme war zwar anwesend, doch der Zustand der werdenden Mutter verschlechterte sich zunehmend. Als der Vater in seiner Verzweiflung auf die Straße lief, um Hilfe zu holen, wurde er von einer Polizeikontrolle angehalten. Aufgrund seines auffälligen Verhaltens wollte man ihn sogar mitnehmen. Doch auf die Idee, Hilfe zu leisten kam sie nicht. Erst Stunden später fand die Familie ein Taxi, das bereit war, die Frau in eine Privatklinik zu bringen. Dort wurde sie jedoch abgewiesen, weil die Familie keine finanziellen Garantien vorweisen konnte. Schließlich erreichten sie ein staatliches Krankenhaus. In der Notaufnahme erhielt die Familie die erschütternde Nachricht, dass das ungeborene Kind bereits seit mehreren Tagen tot gewesen sei und das Leben der Mutter in akuter Gefahr schwebe. Stunden später folgte die nächste Hiobsbotschaft: Die junge Mutter war verstorben. Zurück bleiben vier Kinder im Alter von 4, 8, 9 und 14 Jahren.
Die Integration in unsere "Projektfamilie" ist mehr als nur ein Rettungsring für die Jugendlichen. Wir sind Familie...
In solchen Situationen gibt es keine Unterstützung. Keine Versicherung springt ein, keine staatlichen Hilfen. Die Schwester der Verstorbenen hat die vier Kinder aufgenommen. Nun leben beide Familien gemeinsam auf engstem Raum in einem Wohnblock. Dank unseres Projektes können wir helfen. Die Kinder dürfen täglich zu uns kommen und erhalten zweimal pro Woche ein warmes Mittagessen. Durch die Unterstützung zweier Schulpaten aus Deutschland können wir diese Hilfe finanzieren und die Familie in dieser schweren Zeit begleiten. In Momenten wie diesen bin ich unserem Herrn besonders dankbar für das Projekt „Für eine bessere Zukunft“ und für die Möglichkeit, Menschen ganzheitlich zu unterstützen – praktisch, emotional und geistlich. Bitte betet für diese vier Waisenkinder und ihre Zukunft. Mögen sie in Jesus ihren persönlichen Herrn und Heiland kennenlernen. Mögen sie durch uns Seine Liebe erfahren und inmitten ihres Verlustes Trost, Hoffnung und Halt finden.
Ein besonderer Nachmittag für unsere Mütter
Der Muttertag hat in Bolivien einen besonderen Stellenwert. Weit mehr als in Europa wird er hier als großes Familienfest gefeiert. Die Wurzeln liegen einerseits in der starken katholischen Tradition und der hohen Wertschätzung von Müttern, andererseits auch darin, dass viele Frauen die tragenden Säulen ihrer Familien sind. Nicht selten stemmen sie den Alltag unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und kümmern sich mit großer Hingabe um ihre Kinder. Deshalb wird der Muttertag in Schulen, Kirchen und Familien mit viel Herz und Dankbarkeit gefeiert. Am 30. Mai durften auch wir gemeinsam mit den Müttern unseres Projektes einen unvergesslichen Muttertag feiern. Unser Wunsch war es, ihnen nicht nur einen schönen Nachmittag zu schenken, sondern ihnen ganz bewusst Wertschätzung, Ermutigung und Gottes Liebe zu vermitteln. Die ankommenden Frauen wurden zunächst zu den liebevoll vorbereiteten Basteltischen geführt, an denen sie eine Karte für einen geliebten Menschen gestalten konnten. Zeitgleich begann unsere Lehrerin Hilda in einem separat geschmückten Raum mit der individuellen Begleitung der Teilnehmerinnen. Auf dem Boden war ein großes rotes Herz aus Stoff ausgelegt, in der Mitte einen Stuhl, auf dem die Frau Platz nehmen durfte, symbolisch dafür dass jede Frau einen besonderen Platz im Herzen Gottes hat. Dort konnte jede Mutter zur Ruhe kommen, beten, Gottes Gegenwart genießen und sich bewusst machen, wie wertvoll und geliebt sie in Seinen Augen ist. Als besondere Überraschung erhielt jede Frau einen persönlichen Brief ihrer Angehörigen sowie ein kleines Geschenk von unserem Projekt.
Text.
Persönliches
Vom 19. Juli bis zum 08. September werden wir uns in Karlsruhe aufhalten. Der Hauptgrund für diese Reise ist der Wunsch von Dorothea, bewusst Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen. Mit inzwischen 90 Jahren baut sie sichtbar ab, besonders seit dem Heimgang ihres geliebten Mannes und Dorotheas Vater im vergangenen Februar. Gleichzeitig hoffen wir, durch unsere Anwesenheit die Familie in dieser Zeit etwas entlasten und unterstützen zu können. Aus diesem Grund werden wir während unseres Aufenthalts keine größeren Besuchsreisen oder längeren Autofahrten unternehmen. Wer uns jedoch besuchen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen. Wir freuen uns, wenn ihr diese besondere Zeit im Gebet begleitet – für gute Begegnungen, Kraft und Weisheit im Umgang mit den Herausforderungen des Alters. Auch wäre es eine große Hilfe, wenn uns für diese Wochen jemand ein Auto zur Verfügung stellen könnte.
Wer könnte uns für diese Wochen ein Auto zur Verfügung stellen?
Mit herzlichen Grüßen und in großer Dankbarkeit für eure Verbundenheit.
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Psalm 23,1
Gott segne euch!
Wolfgang & Dorothea
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