Liebe Freunde!
„Es war ein perfekter Tag.“ „Danke, wir haben es sehr genossen.“ „Alles war großartig organisiert und sehr lecker.“
Am 21. Dezember war es so weit: Ein schon lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung. Wir luden die ehemaligen Kinder des Wayne-Walker-Kinderheims zusammen mit ihren Familien auf’s Land in der Nachbarschaft zum Kinderheim, nach Los Chacos ein. Dort hatten wir von 1999 bis 2011 gelebt. In dieser Zeit betreuten wir das Kinderheim „Wayne Walker“ mit einer Landwirtschaft und einer Gemeinde. In den ersten sieben Jahren gemeinsam mit unseren Mitmissionaren (Karin und Stefan Pohl), ab 2007 dann allein, zusammen mit einheimischen Mitarbeitern. Aus den Kindern von damals sind heute Erwachsene geworden. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte – mit Erinnerungen, Fragen, aber auch mit Wunden und Verletzungen aus der Vergangenheit. Im letzten Jahr kam es mit einigen von ihnen zu schönen Annäherungen und heilenden Gesprächen. Daraus wuchs der Wunsch, nach über 15 Jahren erstmals wieder gemeinsam nach Los Chacos zurückzukehren und auf den Spuren der Vergangenheit zu gehen.
Im letzten Jahr kam es zu schönen Annäherungen und heilenden Gesprächen
Acht der zwölf ehemaligen Kinder konnten unserer Einladung folgen. Inzwischen sind aus ihnen zum Teil große Familien geworden, sodass wir für die Anreise zwei Autos und einen Bus benötigten. Nach der herzlichen Begrüßung gab es viel Zeit zum Essen, Trinken und Erzählen. Alte Anekdoten wurden wieder lebendig, und es wurde viel gelacht. Manche Dinge aus der Vergangenheit konnten neu erklärt werden, und auch einige offene Fragen fanden Antworten. Das wichtigste Erbe, das Wolfgang und ich damals weitergeben wollten – und auch heute weitergeben möchten – ist die Liebe Gottes, sein lebendiges Wort und die gute Nachricht von Vergebung und Heilung durch Jesus Christus. Deshalb lag es uns sehr am Herzen, jeder Familie eine Bibel zu schenken und sie zu ermutigen, darin zu lesen. Nach einem leckeren Mittagessen gingen wir gemeinsam durch das Dorf Los Chacos zum ehemaligen Kinderheim. Das Haus steht heute leer. Es ist verschmutzt und von der Natur überwuchert. Fast ein wenig unheimlich wirkt der Ort: Überall ziehen Ameisenstraßen ihre Wege, zwei Hunde lagen müde im Schatten. Auch das Gelände rundherum ist ungepflegt und wird nur notdürftig bewirtschaftet.
Wir hatten gemeinsam Spass und ein leckeres Mittagessen, Dank der Hilfe unserer Freunde Yimmy und Gabriela
Unwillkürlich denken wir dabei an Prediger 3, wo es heißt: Alles hat seine Zeit. (Verse 1 bis 14)
1 Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit:
2 Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen,
3 Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen,
4 Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen,
5 Steinewerfen und Steine sammeln, Umarmen und Loslassen,
6 Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen,
7 Zerreißen und Zusammennähen, Schweigen und Reden,
8 Lieben und Hassen, Krieg und Frieden.
9 Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht?
10 Ich habe erkannt, was für eine schwere Last das ist, die Gott den Menschen auferlegt hat.
11 Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach
dem zu fragen, was ewig ist. Aber der Mensch kann Gottes Werke nie vollkommen begreifen.
12 So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen.
13 Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk.
14 Ich begriff, dass Gottes Werk für immer bestehen wird. Niemand kann etwas hinzufügen oder wegnehmen. So hat Gott es eingerichtet,
damit die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben.
Als wir an diesem Ort standen, wurde uns neu bewusst: Gebäude vergehen, Zeiten verändern sich – doch das, was Gott in Herzen gesät
hat, bleibt. Viele Erinnerungen– an gemeinsame Mahlzeiten, Gebete, Herausforderungen und an unzählige kleine Momente des Alltags.
Es war bewegend zu sehen, wie aus den Kindern von damals Erwachsene geworden sind, die heute ihre eigenen Familien, Verantwortungen
und Herausforderungen haben. Wir sind dankbar für die Begegnungen, die offenen Gespräche und das Vertrauen, das neu wachsen durfte.
Unser Gebet ist, dass das, was damals gesät wurde – Gottes Liebe und sein Wort – weiter in ihrem Leben Frucht bringt.
Nichts bleibt wie es war... zumindestens die Materiellen Werte.
10 - jähriges Projektjubiläum “Für eine bessere Zukunft” – 27. Dezember 2025
Unser 10-jähriges Jubiläum feierten wir bewusst im „kleinen“ Rahmen – nur mit unseren Projektfamilien, immerhin kommen wir mit 30 Familien allein auf rund 180 Personen. Zu Beginn dankten wir Lehrerin Hilda und Jessica herzlich für ihren treuen Dienst. Durch ihre Liebe, Geduld und Hingabe ist die Hausaufgabenbetreuung zu einem Ort geworden, an dem sich Kinder und Familien angenommen fühlen. Als Zeichen unserer Wertschätzung erhielten beide eine Urkunde und ein kleines Geschenk. Anschließend gratulierten wir elf (!) Abiturienten zu ihrem Schulabschluss und ermutigten sie, ihren weiteren Weg mutig zu gehen. Jeder bekam ein kleines Erinnerungsgeschenk. Besonders freuten wir uns auch über vier junge Frauen aus dem Programm „Beca Unitec“, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Alle Kinder erhielten eine Tasse mit ihrem Namen und dem Projektlogo, und jede Familie bekam, wie jedes Jahr, einen Lebensmittelgutschein. Nach einigen Dankesreden endete ein schöner Nachmittag voller Dankbarkeit, Freude und Hoffnung, mit einem Gruppenfoto und der gemeinsamen Jubiläumstorte.
Rechts unsere Abiturienten mit ihrem besonderen Geschenk
Januar: Mittagessen und Seelsorge
Aufgrund der derzeit sehr angespannten wirtschaftlichen Lage im Land haben wir erstmals beschlossen, auch während der Sommerferien im Januar unser Programm fortzuführen. Zwei Mal pro Woche boten wir unseren Kindern eine gesunde, vollwertige Mahlzeit sowie ein Nachmittagsprogramm an. Dabei blieb viel Zeit für Spiele, Puzzeln, Schach oder Fußball. Ein wichtiger Bestandteil unserer Treffen ist weiterhin das im letzten Rundbrief erwähnte Material zur Heilung verletzter Kinderherzen. In kindgerechten Geschichten werden Themen wie Ablehnung, Angst, fehlender Vater, Eifersucht oder Selbstwert behandelt. Von den zwölf Bilderbüchern haben wir inzwischen das vierte erreicht. Wir staunen immer wieder, wie gut selbst die jüngeren Kinder diese Inhalte verstehen und wie sie durch den einfachen Weg von Vergebung und Versöhnung mit Jesus Trost und neue Hoffnung finden.
Für unsere Teenager ist dieser Weg oft schwieriger. Viele von ihnen haben schmerzhafte Erfahrungen gemacht: Manche leiden unter der Abwesenheit des Vaters, andere unter Gewalt, Ungerechtigkeit oder verletzenden Worten im eigenen Zuhause. Gerade hier versuchen wir ihnen zu zeigen, dass es trotz allem einen Weg zur inneren Heilung gibt. Dabei sprechen wir viel über Gott als einen liebenden Vater, der jede Verletzung sieht und heilen möchte. Geschichten wie Psalm 23 oder das Gleichnis vom verlorenen Sohn helfen uns dabei, diese Wahrheit verständlich zu machen. Wir sind keine Psychologen oder Therapeuten. Doch wir bemühen uns, Vorbilder zu sein, zuzuhören, zu lieben und die Jugendlichen so anzunehmen, wie sie sind. Für diese Aufgabe brauchen wir viel Weisheit, Gebet, Geduld und Gottes Führung. Gleichzeitig erleben wir, dass sich die Qualität unseres Zusammenseins spürbar vertieft hat. Die meisten kommen sehr gerne – oft fühlt es sich wie eine große Familie an. Besonders unsere Jugendlichen suchen immer wieder Nähe, eine Umarmung oder ein Wort der Wertschätzung.
Februar: Schul- und Universitätsbeginn sowie Renovierungsarbeiten
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres startet für mich (Dorothea) die arbeitsreichste, aber auch schönste Zeit des Jahres. Im Rahmen unseres Schulunterstützungsprogramms erhalten die Kinder ihre Schulhefte, Ranzen, Stifte, Uniformen, Schuhe und Schulbücher von uns. Dank einer großzügigen Spende eines deutschen Unternehmers, der hier in Bolivien Spiralhefte und Stifte herstellt, konnten wir in diesem Jahr allen Kindern der Hausaufgabenbetreuung Hefte und Stifte zur Verfügung stellen.
Die Karnevalstage nutzten wir außerdem für eine besondere Aktion: Unser gemietetes Haus brauchte dringend einen neuen Anstrich – innen
wie außen. Da viele unserer Projektväter als Maler oder Malerhelfer arbeiten, gelang es uns, in nur zwei Aktionstagen die Räume und
die Fassade frisch zu streichen. In einer guten und fröhlichen Atmosphäre packten einige der Väter tatkräftig mit an und engagierten
sich mit großem Einsatz für das Projekt.
Auch in unserem Universitätsprogramm gab es erfreuliche Entwicklungen: Zwölf junge Erwachsene konnten wir an verschiedenen
Universitäten und Fachschulen einschreiben. Damit wächst dieses zukunftsweisende Programm auf insgesamt 17 Studierende an.
Einige junge Frauen absolvieren eine Ausbildung zur Krankenschwester, andere studieren Landwirtschaft, Gastronomie, Betriebswirtschaft
oder Psychologie. Wir hoffen und beten, dass diese jungen Menschen den Anforderungen ihres Studiums gewachsen sind und ihre Ausbildung
erfolgreich abschließen können.
Damit wir diese Arbeit weiterführen und noch mehr Kindern und jungen Erwachsenen Zukunftsaussichten geben können, sind wir weiterhin
auf Gebet und finanzielle Unterstützung angewiesen. Jede Hilfe trägt dazu bei, Hoffnung und neue Chancen zu schenken. Vielen
herzlichen Dank für alle, die diesen Weg mit uns gehen.
Privat
Am 12. Februar erreichte uns die Nachricht, dass Dorotheas Vater im Alter von 94 Jahren friedlich
heimgegangen ist und nun bei seinem himmlischen Vater sein darf. Zur Beerdigung flog Dorothea für einen kurzen fünftägigen Besuch
nach Deutschland. Es waren intensive Tage – geprägt von Abschied, Trauer, aber auch von Dankbarkeit für ein langes Leben. Dabei
wuchs der Wunsch, in naher Zukunft noch einmal nach Deutschland zu reisen, um etwas mehr Zeit mit meiner Mutter zu verbringen.
Gerne dürft ihr diese Entscheidung im Gebet mittragen.
Mit den bereits erwähnten Versen aus Prediger 3, 12 – 13 möchten wir diesen Rundbrief abschließen:
„So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben
zu genießen. Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk.“
Gott segne euch!
Wolfgang & Dorothea
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